Auszug aus "Der Papalagi"
Auszug aus "Der Papalagi"
„Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea“.
Der Missionar des Papalagi lehrte uns als erster, was Gott sei, und er führte uns von unseren alten Göttern fort, die er irre Götzen nannte, weil sie den wahren Gott nicht in sich hatten.
So hörten wir denn auf, die Sterne der Nacht anzubeten, die Kraft des Feuers und des Windes, und wandten uns seinem Gotte zu, dem großen Gotte im Himmel. Das erste, was Gott tat, war, daß er uns durch den Papalagi alle Feuerrohre und Waffen nehmen ließ, damit wir friedlich untereinander lebten als gute Christen. Denn ihr wisst die Worte Gottes, daß wir alle einander lieben, aber nicht töten sollen, welches sein höchstes Gebot ist. Wir haben unsere Waffen gegeben, und keine Kriege verheeren seitdem mehr unsere Inseln, und einer achtet den anderen als seinen Bruder.
Wir erfuhren, daß Gott recht hatte mit seinem Befehle, denn friedlich lebt heute Dorf bei Dorf, wo einst große Unruhe herrschte und die Schrecken kein Ende nehmen wollten. Und wenn auch noch nicht in jedem von uns der große Gott ist und ihn mit seiner Liebe ausfüllt, so erkennen wir alle doch in Dankbarkeit, daß unsere Sinne größer und stärker geworden sind, seit wir Gott als den großen, den größten Häuptling und Herrscher der Erde verehren. Ehrfürchtig und dankbar vernehmen wir seine klugen und großen Worte, die uns immer stärker in der Liebe machen, die uns immer mehr mit seinem großen Geiste füllen.
Der Papalagi, sagte ich, brachte uns das Licht, das herrliche Licht, das in unser Herz hineinflammte und unsere Sinne mit Fröhlichkeit und Dankbarkeit erfüllte.
Er hatte das Licht früher als wir. Der Papalagi stand schon im Lichte, als die ältesten von uns noch nicht geboren waren.
Aber er hält das Licht nur in ausgestreckter Hand, um anderen zu leuchten, er selber, sein Leib, steht in der Finsternis, und sein Herz ist weit von Gott, obwohl sein Mund Gott ruft, weil er das Licht in Händen hält. Nichts ist mir schwerer und nichts erfüllt mein Herz mehr mit Trauer, ihr lieben Kinder der vielen Inseln, als euch dies zu künden. Aber wir dürfen und wollen uns nicht täuschen über den Papalagi, damit er uns nicht mit in seine Finsternis hineinzieht. Er hat uns Gottes Wort gebracht.
Ja. Aber er selber hat Gottes Wort und seine Lehre nicht verstanden. Er hat sie mit dem Munde und seinem Kopfe verstanden, aber nicht mit seinem Leibe. Das Licht ist nicht in ihn eingedrungen, daß er es widerstrahle und, wohin er kommt, alles in Licht leuchte aus seinem Herzen. Dieses Licht, das man auch Liebe nennen kann. Er fühlt zwar diese Falschheit zwischen seinem Worte und Leibe nicht mehr. Aber du kannst es daran erkennen, daß kein Papalagi mehr das Wort Gott aussprechen kann aus seinem Herzen. Er verzieht das Gesicht dabei, als sei er müde oder als ginge ihn dieses Wort nichts an.
Alle Weißen geben sich zwar den Namen Gotteskinder und lassen sich ihren Glauben von den weltlichen Häuptlingen auf Matten geschrieben bestätigen. Aber Gott ist ihnen dennoch fremd, und wenn auch jeder die große Lehre empfangen hat und jeder von Gott weiß.
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