Erich Kästner - Gebrauchslyrik

Erich Kästner - Gebrauchslyrik
Der Titel Falladas „Kleiner Mann, was nun?“
ist zugleich das Motto der Lyrik Kästners.
Sein Personal - das sind die kleinen Leute, die verlassenen Mädchen und die einsamen Männer, die braven Muttchen und dummen Nuttchen, die armen Kellner und die müden Stehgeiger, die Zukurzgekommenen und die Benachteiligten, die Verstoßenen und die Enttäuschten, die Erniedrigten und die Beleidigten.
Sie erkannten sich in seinen Versen wieder. Er, der Sänger der kleinen Leute und der Dichter der kleinen Freiheit, gehört mittlerweile zu den Klassikern der deutschen Literatur unseres Jahrhunderts.
Die Leser wissen es längst.
Kästner selbst schreibt in einem Essay:
„Die Beziehung des Publikums zur Lyrik ist weder gespannt noch locker, sondern überhaupt nicht vorhanden! Und schuld daran ist nicht das Publikum. Schuld daran sind die Lyriker. Sie liefern, wie es in der Bibel heißt, »Steine statt Brot«.
Das ist kein reelles Angebot. Selbst wenn ihre Steine Edelsteine wären - den auch Edelsteine sind kein vitaminreiches Nahrungsmittel.
Zum Glück gibt es ein oder zwei Dutzend Lyriker -ich hoffe beinahe, mit dabei zu sein -, die bemüht sind, das Gedicht am Leben zu erhalten. Ihre Verse kann das Publikum lesen und hören, ohne einzuschlafen, denn sie sind seelisch verwendbar.
Sie wurden im Umgang mit den Fr e u d e n und Schmerzen der Gegenwart notiert, und für jeden, der mit der Gegenwart GeschäftIich zu tun hat, sind sie bestimmt.
Man hat für diese Art von Gedichten die Bezeichnung In Landskrona 50 km von Malmö entfernt, gab es ein Lager für Flüchtlinge aus der DDR. Wir stellten eine Familie, Vater, Mutter und Sohn ein, die in der Küche die üblichen Arbeiten verrichten sollten. Sie erzählten uns wie schlecht es alles gewesen war, doch nach einer Woche maulten sie schon, wenn kein Schinken zu Frühstück da war.
Seit Ende Juni war das Haus voll und wir hatten gut zu tun, aber es war zu schaffen. Wir hatten einen guten Lohn ausgehandelt und so machten gerne Überstunden die gut bezahlt wurden. Im Juli fand in Malmö das schwedische Derby statt. Anschliessend gab es im Hotel eine grosse Party mit vielen Prominenten Gästen samt zwei Prinzen. Wir arrangierten um Mitternacht eine Strandparty mit Sauerkraut und Wienerwürstchen. Von Kaviar auf Würstchen, welch ein Abstieg!
Gerhard war der Älteste unter uns, und hatte in Deutschland bei den Amerikanern gearbeitet. Vom ihm lernten wie schon 1953 Pizza zu machen!
Den ganzen Sommer über, als das Haus voll war, war das Wetter eher gemischt. Oft Regen und kühl. Das änderte sich, als sich das Haus leerte. Endlich wurde es sonnig und warm. Wir hatten nicht mehr viel zu tun und genossen nun das faulenzen am Strand in vollen Zügen.
Der August ging zu Ende und auch die Saison. Das Hotel gab noch eine Abschiedsparty für das Personal.
Wir waren eine bunte Gesellschaft gewesen, holländische Studenten als Tellerwäscher, finnische und norwegische Hausmädchen, Dänen und Schweden im Servicepersonal und wir Deutschen in der Küche, aber wie schon in Stockholm, junge Menschen kommen immer miteinander zurecht.
Am 28 August war unser Abreisetag. Zuvor kaufte ich mir in Malmö noch einen einen schicken Anzug aus edlem englischen Zwirn, dazu einen Borsalino.
Carl Hanser Verlag München S

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